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Morgenduft

Wer sagt, die Blumen hätten keine Augen
zu schauen den Tau im Morgenlicht,
ihre Köpfchen, sanft sich öffnend, füreinander kein Gesicht,

der sagt, dass wir nicht wirklich taugen
für die Liebe ohne Sternenzacken in der Brust
und diese sich aus Luftnot hebt nur oder allenfalls aus Lust

Ach nein, in uns wir wissen´s nicht genau, genau

Wer meint, er könne ewig weiter leben
und schweben fort in ungeahnte Weiten,
mit roten Bäckchen engelsgleich der Welt entgleiten,

der glaubt vielleicht auch, allem Streben
lasse sich entweichen auf ´ne fremde Umlaufbahn
und diese sei ein Ort der Freiheit, ohne Zwang und Wahn

Ach nein, in uns wir wissen´s nicht genau, genau

Wer denkt, ich stünde nicht zu meiner Liebsten,
wenn heute abend mich der Eifer wieder packt,
ins Licht zu treten, bis ins Kleinste sichtbar, nackt,

der sieht nicht, wie ich glühe dort im Tiefsten
für eine Liebe, die ganz ohne Drama sich verschenkt
und zum Abschied dereinst zart ein weißes Tüchlein schwenkt

Ach ja, in mir ich weiß es doch genau, genau

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Für Norman Franke, der heute in Singapur auf seinen Anschlussflug nach Frankfurt wartet, in Vorfreude auf unsere Lesung in der Kulturbotschaft am Freitagabend

Diese hier umwölbt den Chor im Süden
und wärmt am Abend Gichtgeplagte.
Ihr Fundament springt leicht hervor,
unendlich sanft und gerade
weit genug zum Sitzen.

Jene dort sprach nie ein Wort
zu den an sie Gestellten.
Verbundenen Auges sahen
diese nicht die Löcher. Die
aber sagen mir genug, genug.

Auch diese schweigt, schweigt Trost
unter jener einen Sonne
einer neuen Hand zu, die
die Versehrte streichelt zart
und zupft am Zimbelkraut.

Noch eine andere bewahrt,
in einem Becken, hüfthoch
eingemauert, Regen, gestern erst
vom Himmel hoch geweiht,
das Beste, blau bespiegelt,

solange andernorts – das Beste
meine ich – durch Freundes Wort bezeugt,
auch unter Singapores betonierten Schiffen
metropolitan nur glänzt durch
seine schnöde Abwesenheit.

 

Und jetzt? Jetzt warte ich,
warte noch ein bisschen,
harre der Dinge, bevor noch
die Zeit davonhoppeln kann,

male öde Ösen, Haken, Flecken,
was so kommt: Glast und
gleißende Schwaden,
Myrtenduft und Fadenqualm,

lasse Lichter erklingen und
stoppe Sekunden, halt, halt,
halt keine wie die andere,
Tausendschönchen, Bellis Perennis,

übergehe, hopsa, Synkopen,
flugs niedergeschrieben,
immer tiefer runter, Zeile für Zeile,
versiert im Ansinnen der Ewigkeit.

Linsenfutter

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