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Lyrik

Für Michael Krüger

Was uns der Dichter ins Kondolenzbuch schreibt,
wird das Weiterleben kaum leichter machen
im Garten am See ebenso wenig wie hier am Strom.

Das Geheimnis dieser Landschaft ist längst aufgeflogen.
Silberreiher, Kormoran oder Nonnengans,
alle haben zwei Stimmorgane, aber sie singen nicht.

Die Seehunde zwischen den Wellen offenbaren sich als Gänsesäger
und eine feine weiße Feder auf meiner Schulter wispert,
ich stamme ab von dem Kadaver dort am Spülsaum.

Aufgedeckt auch das Komplott der Stille.
Offenkundig schwimmt sie nun unter jenem fernen Baggerschiff,
das sich im Ebbstrom durch die Sohle wühlt.

Mit Kennermiene quere ich das Deichprofil,
prüfe die Arbeit der Mineure in der Krone,
die Festigkeit der Steinpackung und die Erosion des Auwalds.

Kurzer Blick zum Kleinen Kohn. Dieser dumme Spottname
aus der Kaiserzeit ist an dem winzigen Leuchtturm
hängen geblieben. Ich gehe nicht mehr hin,

– Vogelschutzgebiet – und sammle auch kein Treibgut mehr.
Die Kamera bleibt aus, der Adler ein unbestimmtes Brett in der Luft,
das Gänse jagt, und der Tiefpunkt der Tide minutenlang ungewiss.

Eine Schauerwolke zieht von Süden auf, trotzdem warte ich,
bleibe stehen, bis ein Frachter die schmale Passage erreicht,
und schaue zu, wie sein Schwell das Watt überflutet.

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Den Himmel kannst du nur zu zweit
betreten, sagt er, lässt sie stehen
und geht, geht zur Hölle, gewiss,
endlich sicher anzukommen.

Sie sieht, wie er sich auflöst
in der gewundenen Kolonne,
streicht mit der verlassenen Hand über ihren Bauch und hofft –