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Lied

Wer sagt, die Blumen hätten keine Augen,
zu schauen in dem warmen Morgenlicht
ihre Köpfchen sanft sich öffnend, füreinander kein Gesicht,

der sagt, dass wir nicht taugen
für die Liebe ohne Sternenzacken in der Brust
und diese sich reflexhaft hebt nur oder allenfalls aus Lust.

 

Anmerkung aus der Wortwerkstatt

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Sanft wedelt der Tang
am Grunde im Strom.
Dort trocknen die Toten
Hemden und Hosen.

Trüb wechselt der Schein
dasselbe in Grün.
Schon lachen die Bahren
lustig und lose.

Zart streichelt die Hand
die Vase, den Halm.
Es welken die Blüten,
Stile und Moden.

Matt wienert der Mann
die Bordwand am Bug.
Dort blättert die Farbe
Lage für Lage.

Schwer liest sich das Buch
mein Leben auf Zeit
von hinten nach vorn und
Seite um Seite.

Komm, ruft er die Alte,
die Reise geht los!
Wir reiten den Sturm ab,
Welle um Welle.

Da packt sie ihr Buch
„Leihgabe Leben“,
ein Blatt blieb leer noch,
und reißt es heraus.

[Überarbeitung erfolgte dank des wunderbar ausbalancierten Kommentars von lakritze und der Nachfrage von Tee4Free. Danke!]

Ich fühlte mich heute so einsam wie selten
Ich sah kein Glück, nicht hier – nicht dort
Ersann mir darum bessere Welten
Mit Anna und Joseph am lieblichen Ort

Was sie auch tun, stets bin ich dabei
Wenn ihre Gefühle zueinander sie führen
Dann scheint es ganz einfach: ein Leben für Zwei
Und ich, ihr Erfinder, ich will es jetzt spüren

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

Aus der Hüfte schießt sie Blicke
Und kehrt den Rücken dem schwer Getroffenen
Dass er ihr folge und sie beglücke
In ihren Armen, den weit offenen

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

Anna macht nicht viele Worte
Gibt einen Wink nur dem arg Bemühten
Dass er sie führe zum lieblichen Orte
An ihrer Hand, der zart erglühten

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

An die Brust zieht sie den Mann, oh
Hebt sich entgegen dem ganz Verzückten
Dass er sie nehme, so stark er kann, oh
Zu seinem Weibe, dem gut bestückten

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

Sie sind ein Paar, nun kommen Tage
Da wecken nachts Kinder die arg Geschafften
Dass man sie tröste und stundenlang trage
Nur ohne mich – schade Herrschaften

Heut zaust der Wind die Esche kaum
Nun schweigt das Meer, es trocknet der Schaum
Wolken ziehen, Schatten wandern
Und sie liebt bald schon einen andern