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Frischling

Dann bist du also ein Heide,
klangen mir die Worte des Mitschülers im Ohr,
während ich, ungetauft und unbeschenkt,
als andere Konfirmation feierten,
den Stolz in mir hegte, christlicher Bildung entronnen zu sein
und niemals, niemals deutsche Lieder singen
oder Gesellschaftstänze lernen zu wollen.

Doch nun singe ich seit vier Wochen
in der Bahrenfelder Paul-Gerhardt-Kirche
meine eigenen Strophen,
in dieser meiner Muttersprache
ganz allein vor Gott und
wiege mich dabei im Walzerschritt.

Ich feiere eine tief vertraute Erinnerung,
die mich an einem Maimorgen anwehte,
als ein sehr alter Mann
aus der Nachbarschaft
oben an der geöffneten Tür
zu unserem Fahrradkeller vorbei ging
und ein Lied anstimmte:

Geh` aus mein Herz und suche Freud`,
tönte es hell und klar und
schien mir doch nicht ungebrochen,
eher wie ein Kommentar zu meinen
jugendlichen Ausflugsgelüsten,
vielleicht weil ich ihn einmal
vor Jahren an einem Sommertag
in der Fußgängerzone sitzen gesehen
und auf dem entblößten Unterarm eine
eintätowierte Erkennungsnummer entdeckt hatte.

Heute lese ich, nicht nur die Wanderlustigen der
zwanziger und dreißiger Jahre, auch
die Jugendorganisationen der Nazis
hätten dieses Lied in ihrem Repertoire gehabt.

Und ich beginne zu ahnen,
warum ich so viele Jahre keine Lieder hatte
und bis vor Kurzem am liebsten nur
auf Griechisch oder auf Ladino sang.

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Für Norman Franke, der heute in Singapur auf seinen Anschlussflug nach Frankfurt wartet, in Vorfreude auf unsere Lesung in der Kulturbotschaft am Freitagabend

Diese hier umwölbt den Chor im Süden
und wärmt am Abend Gichtgeplagte.
Ihr Fundament springt leicht hervor,
unendlich sanft und gerade
weit genug zum Sitzen.

Jene dort sprach nie ein Wort
zu den an sie Gestellten.
Verbundenen Auges sahen
diese nicht die Löcher. Die
aber sagen mir genug, genug.

Auch diese schweigt, schweigt Trost
unter jener einen Sonne
einer neuen Hand zu, die
die Versehrte streichelt zart
und zupft am Zimbelkraut.

Noch eine andere bewahrt,
in einem Becken, hüfthoch
eingemauert, Regen, gestern erst
vom Himmel hoch geweiht,
das Beste, blau bespiegelt,

solange andernorts – das Beste
meine ich – durch Freundes Wort bezeugt,
auch unter Singapores betonierten Schiffen
metropolitan nur glänzt durch
seine schnöde Abwesenheit.

 

Und jetzt? Jetzt warte ich,
warte noch ein bisschen,
harre der Dinge, bevor noch
die Zeit davonhoppeln kann,

male öde Ösen, Haken, Flecken,
was so kommt: Glast und
gleißende Schwaden,
Myrtenduft und Fadenqualm,

lasse Lichter erklingen und
stoppe Sekunden, halt, halt,
halt keine wie die andere,
Tausendschönchen, Bellis Perennis,

übergehe, hopsa, Synkopen,
flugs niedergeschrieben,
immer tiefer runter, Zeile für Zeile,
versiert im Ansinnen der Ewigkeit.

Linsenfutter

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