Oberfeuer abgeschaltet

Weiser geworden unterwegs fand ich mich
eines Morgens stehend wieder,
in Beton versenkt, rot-weiß-rot.
Seither lausche ich dem steten Schmatzen
an der Kante unter mir.

Dieses Land, das schmeckt dem Meer.
Dort siedelt besser nicht.
Hört nur, wie das Gras noch wispert,
von begrabener Hoffnung,
Lungen in der Flut und Gas.

Hier zu ruhen, bietet Perspektiven
nur für Petrifakte, halb versenkte,
moosumkränzte Hüter nackter
Mittagswiesen und für mich, der heute
nur noch Schatten wirft, kein Licht.

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13 Kommentare
  1. Diese Frage kann ich nicht beantworten.
    Ich schicke Dir dazu mal eine kleine Veröffentlichung von mir im Literaturkontor Bremen.

    NETZ–GESPRÄCH

    Liebe Kollegin, du fragst:

    Kann ich angesichts der Flucht-Tragödien noch guten Gewissens zu meinen Themen ein Kinderbuch schreiben?

    Auch meine Arbeit erscheint mir trivial. Wo ist mein Platz in diesem Gefüge? Eine Auslotung scheint mir unerlässlich, der Aktionismus im Netz überrollt mich.

    Ich wohne in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft. Jeden Tag erkläre ich an der Bushaltestelle den Neu-Ankommenden den Weg dorthin.

    Welch eine Metapher: den Weg zeigen, als ob ich ihn wüsste.

    Die Fremden haben für mich längst ein Gesicht. Wir erkennen und grüßen uns, winken und lachen uns an. Ein kleiner Junge hat ein Krokodil-Kuscheltier geschenkt bekommen. Er behütet es mit einer Intensität, die mich berührt. Die beiden brauchen einander. So robbe ich mich langsam an dieses neue Lebensthema heran.

    Ich erinnere mich an die „Flüchtlinge“ nach dem Krieg, sie waren in unseren Häusern und Wohnungen „einquartiert“. Schwarze Soldaten warfen uns Kindern Kaugummi und Schokolade aus rollenden Panzern zu. Es war ein seltsames Schlaraffenland. Heute schenkt man einfach Krokodile.

    Ich wünsche mir dein Kinderbuch sehr.

    Hanna Scotti

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    • Vielen Dank für die entlastenden Worte, liebe Hanna. Aber Gedichte leben halt in Spannunsfeldern, da hilft kein Jammern. Vielleicht kommt beim Schreiben auch mal ein Krokodil heraus.
      Bedanken möchte ich mich auch für die Aufnahme meiner Impulse. Überraschenderweise sehen deine Mittagswiesen für mich ganz anders aus als meine: Sattes grünes, oder – wo nicht beweidet – wunderbar blütenreiches Halligland. Meine gehören zur Trockenrasengemeinschaft eines sanften Geesthügels, den ich in Wirklichkeit noch nie gesehen habe. Innere Landschaft, daher auch sehr formbar. Ich setze ein Kibitzpärchen mitten hinein, das mich von seinem Nest zu verleiten sucht.

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      • Die Austernfischer mit ihren roten, spitzen Schnäbeln kreischen zum Kampf, stürzen sich haarscharf am Kopf des Eindringlings Mensch vorbei, verteiligen ihre Brut auch dort, wo es nichts zu verteiligen gibt. Satt – grüne Salzwiesen täuschen Willkommen. Zwischen den Gräsern lauert Strandgut aus stinkender Moral, Zwietracht heißt die Blume unter Naturschutz. Ein
        Fehltritt zur Unzeit und das Meer verschlingt alles.

        Der Abgrund in deinem Gedicht scheint mir der gleiche, wie in meinem Gedicht.
        Da bleiben nur die „inneren Landschaften“, wie du schreibst : jedoch… das Kibitzpärchen… verleitet es dich? oder trügt der Schein, wie das satte Grün der Halligen…
        Wer weiß?
        Manchmal scheint es wertvoll, Illusionen zu pflegen, sie erhalten möglicherweise die
        Gesundheit…

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        • Ich kenne dieses Verhalten nur von den Seeschwalben. Austernfischer auch? Und Illusion? Was ist Illusion, wenn alles Maya ist? Nein, ganz konkret: trügerischer Schein oder doch eher die Feststellung, dass manche Dinge nicht so sind, wie sie scheinen – ich würde beides zu unterscheiden suchen, deshalb die langen Skalen, vertreten durch ein uraltes Wanderwesen, das sich damit abfindet, Leuchtturm zu sein und die Beobachtung des stetigen Abbruchs von Grenzen. Die Versteinerung als Kind eines zurückgekehrten Vaters aller Dinge – des Kriegs – im Kontrast zu dem ephemeren Glück, zwei Exemplare einer vom Aussterben bedrohten Wiesenvogelart sich fortpflanzen zu sehen – beides hängt miteinander zusammen. Deshalb ist es immer wieder gut, einen Schritt zurück zu treten, zu schauen und zu fühlen, wie das Herz sich öffen will und schließen über dem jähen Abgrund, babam, bam, babam…

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          • ….und aus den Tiefen dröhnen die Glocken von Rungholt….
            Trug,Irrung, Illusion oder doch…Maya?
            Das zu unterscheiden – eine Lebensaufgabe!

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          • Allgemein gibt es wohl keine Antwort, aber im konkreten Fall können wir es unterscheiden. Allgemeingültige Kriterien hierfür zu suchen, ist wohl nicht leicht. Das Spiel mit dem Unwirklichen, der Illusion zeigt aber, dass wir einiges davon verstehen, und es weckt die Lebensgeister.

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          • Ein Dialog, besonders ein virtueller, weckt Lebensgeister, schürt das Feuer der Phantasie und der Unwirklichkeiten:

            du
            ich kenne dich
            nicht dein lächeln
            deine hände
            verborgen unter
            dem bildrand
            deine worte
            lese ich spiele
            mit ihnen in
            den wiesen
            zwischen
            sommer
            blüten rupfe
            federn aus
            deinen
            gedichten
            schamlos
            male ich mir
            ein bild von
            dir bar jeder
            realität doch
            mit großem
            vergnügen

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  2. Hallig – Tage

    Nackte
    Mittagswiesen
    in Salz versenkt
    schmatzt die
    Abbruchkante
    unter mir
    Abgrund

    Verzeih, ich mußte ein eigenes Gedicht mit deinen Impulsen schreiben.

    Dein Gedicht ist wunderbar.

    Ich bin zurück aus den salzigen, satten Mittagswiesen, dem Wind über dem Watt
    und den Wunderlichkeiten der Halligbewohner.

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