Enigma

Jeder Mensch eine halboffene Tür,
die in ein Zimmer für alle führt.
Tomas Tranströmer „Der halbfertige Himmel“

Eingeladen fühle ich mich, einzutreten, ich als Tür
in Zimmer voller weiterer Türen, jede offen für die anderen.
Ich drücke meine Klinke. Doch dann gerät mir alles aus den Angeln.

Ist die Verwirrung um den Himmel schon die Sache selbst,
schöner Schwindel, oder Treppenschacht zu jener tieferen Einsicht,
die mir verwehrt blieb und von der ich besser schwiege?

Kann meine Kunst nichts weiter, als das Rätsel noch einmal zum Leuchten bringen,
in dunklen Zimmerfluchten Schalen zu polieren und mit einer hohlen Nuss zu klötern?
Ich falle aus dem Haus und höre nur noch eine Taube flügelschlagend sich entfernen.

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14 Kommentare
  1. „Rätsel zum Leuchten bringen“, gerade die alten, die ewigen, wieder und wieder – ja, ich glaube das ist das äußerste, was wir schreibend können. Ich zweifle, ob es überhaupt neue Rätsel gibt – die alten sind doch noch rätselhaft genug, und erscheinen sie modern, sind sie nur verkleidet.
    Die Fragen sind es doch immer, die uns bewegen; die Antworten nehmen wir zur Kenntnis und heften sie ab. Also: kein Grund zu verzweifeln.

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  2. Kunst ist, sagt Karl Kraus, aus einer Lösung ein Rätsel machen.
    Vor Türen stehn Toren und müssen ob ihrer Wölbung lachen.
    Denn trotz Knauf
    Geht nix auf.
    Bis die Steine krachen.

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    • hannascotti sagte:

      Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit, sagt Karl Valentin,
      ich ergänze: …und ist teuer….

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      • Da artikuliert sich die leise Enttäuschung, dass man für den Blog kein Geld kriegt, aber, Sissipha, wie das Sprichwort sagt: Wortwerk hat offenen Boden

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          • hannascotti sagte:

            Guten Morgen Björg, danke für deine Schützenhilfe…

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        • hannascotti sagte:

          Deine Interpretation meiner Worte muß nicht unbedingt
          meinen Intentionen entsprechen

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          • hannascotti sagte:

            …(kleines Versehen…hier geht’s weiter…) vielleicht hättest du gut daran getan,
            das als Frage zu formulieren? Gerne hätte ich dir darauf geantwortet.
            Mir kreuselt sich die Nase mit Unmut.
            Ich unterstelle (lächel..): einen leicht näselnden Ton des Hochmuts, ist er deiner
            „Jugend“ geschuldet?
            Dann ist Nachsicht die Mutter meiner Porzellankiste….

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          • Intentionen sind nicht Tendenzen. Doch ich lege Dich nur aus, bzw. herein. Niemand sei gezwungen, sich dazuzulegen.

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          • hannascotti sagte:

            Intentionen tendenzell auszulegen
            ist nicht schwer, sich dazuzulegen auch nicht sehr.
            Mit anderen Worten, aufs Kreuz legen
            lassen sich nur Blondinen. Ich versichere dir, ich bin eine. Vermutlich verschwendest du dich nur…

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          • Für Sie werde ich mich verwenden. Es sei denn, ich habe mich gerade mal wieder verlegt. Verwegene Segnungen wedeln dem Regen, und bevor ich in Klängen baden gehe, forciere ich doch lieber: Dich.

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  3. hannascotti sagte:

    Guten Morgen Björg,

    nehme ich den Begriff „Enigma“ wörtlich, beinhaltet er schon eine Antwort auf die Frage, ob Kunst nichts weiter ist, als sich selbst als Rätsel zum Leuchten zu bringen. Meines Erachtens ist Kunst genau und nur das.
    Die Erkenntnis ist bitter, den alten Kern nur zum „klötern“ zu bringen. Das Wort „klötern“ ist sehr gut gewählt,
    schwingt darin doch Abfälligkeit, gewöhnliche Grobheit und Zurückweisung mit, also ein Spiegelbild unserer heutigen Gesellschaft.
    Und doch, dieser vom LI persönlich hinterfragteTreppenschacht ist dem LI nicht verwehrt, das beweist schon diese Wortwahl und das Thema selbst.
    Der Autor spielt mit einem understatement und fordert damit den Leser auf zum Einlassen auf den Text ( ein bißchen fishig for compliments ????) heraus. Bei mir ist es ihm unzweifelhaft gelungen.

    Nach eigener Erfahrung als Lyrikerin gibt es möglicherweise, vielleicht irgendwann, nach langer und verzweifelt tiefer Dürre einen Glücksmoment: Der/die DichterIn trifft auf ein Gegenüber das, oft in aller Unschuld und Unkenntnis über die Fertigkeiten eines Autors beginnt, Fragen zu stellen, sich angeregt zu fühlen und mutig genug wird, sich offen einzulassen ohne konkurrieren zu wollen. So entsteht ein Miteinander, nach dem wir Menschen uns in seiner ganzen Tiefe sehnen und unsere Dichtkunst kann zu einem Schlüssel werden, der unserer Menschheit, wirklich in aller Bescheidenheit, gut tun würde, nichts mehr, aber auch nicht weniger.
    Du siehst an unserem gemeinsamen Beispiel, dass dir das hier mit diesem Text gut gelungen ist.
    Vielleicht wäre es zu viel verlangt, ein klares statement von einer/m deiner LeserInnen zu bekommen. Deshalb mache ich gelegentlich Lesungen, ich erkenne diese gelungenen Begegnungen an den glänzenden Augen, den roten Wangen und dem Lächeln.
    Zugegeben, diese Momente sind sehr selten, aber wenn sie dann einmal da sind, werden sie zu einem inneren Fest…..
    Einen wunderbaren Sonntag dir und deiner „Schreibe“ und mir mit der Freude sie lesen zu können und ein wenig eintauchen zu dürfen.

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