Bei nördlichem Licht besehen

Ich lausche in Gedanken deinem Bariton
und finde plötzlich im Regal
die verlegte DVD, Geschenk von dir.

Evelyn Glennie, Touch the Sound,
vielleicht auch nur von dir geborgt,
doch
leider nie ganz abgespielt.

Nur diese letzte Strophe noch, dann
mache ich das wieder gut, zupfe mir
die Ohren steif für die gespeicherte Lektion.

Verfrüht vielleicht mein neues Lied
vom desolaten Leben auf dem Land,
wertvoll gewiss dein Tipp,
besser singbar sei der endbetonte Vers.

Warum sollten wir uns nicht mehr sehen,
trinke doch aus Hasenbechern ich den Tee
und hege
meinen Glauben dass,

unterwegs der Erlenbruch
den Wind abhält und Mutter mit Kaffee
hofft, dass das Eis trägt. Schnee,

doch dieser blanke König fetzt,
dir feinste Flocken ins Gesicht,
dass ich am Ende nicht mehr weiß

noch rot, ragst über’n Deich du oder wer,
wenn die Sehnsucht schon fast alles war,
Erfüllung, sie zu teilen, was dann noch?

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14 Kommentare
  1. ein ganz und gar wunderbares, bemerkenswertes gedicht, das vieles tangiert, vertieft, und doch gleichzeitig offen lässt.
    ja, von liebe lese ich hier, und von inspiration, von hoffnung und von freundschaft. von fürsorge.
    herzlich,
    diana

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  2. hannascotti sagte:

    Einen ganz herzlichen Dank für diese Worte.
    Mitgefühl und Achtsamkeit…. finde ich darin….

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  3. Ich wollte eigentlich schon mit einer Antwort begonnen haben, bin aber zu Tränen gerührt über die Worte von Antje Vollmer im Deutschlandfunk zur Frage einer Verantwortung Deutschlands für Griechenland. Ja, ich bin sicher, hier geht es um Schuld. Sie anzuerkennen ist gewiss eine Last, die eine kleine Seele erdrücken mag. Aber, wer die Zusammenhänge erkennen will, versteht sie am besten, wenn er sich an die eigene Nase fasst.
    Ich würde mich auch nicht daran beteiligen, über Schuld oder gelungene Gedichte zu raisonnieren. Lieber möchte ich an unsere Grundausstattung erinnern, zum Beispiel Mitgefühl zu zeigen. Ja, wie ist es denn, Aufnahme in einem Dorf zu suchen, das im Widerstand gegen die deutschen Besatzer einen hohen Blutzoll gezahlt hat? Ich kann doch diesen Weg nur auf den Knien gehen. Ach, mir ist immer noch zum Heulen. Mir ist danach.

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  4. hannascotti sagte:

    Was ein gelungenes Gedicht jedoch stets auszeichnet, sind seine Bilder und die Genauigkeit der Beobachtung :
    wieweit man in ihnen Dinge und Motive zu Ende denkt, Analogien zusammen – und weiterführt. Das ist neben der musikalischen die eigentliche Arbeit des Gedichts, das, was einem nicht nur zufällt.( Raoul Schrott)

    Das Persönliche des Li im Gedicht:
    “ …….Seine, des lyrischen Ichs Schuld vielleicht, sich nicht zu bekennen zu seiner Liebe…..“
    Ist es „Schuld“? Dieses Wort und seinen Inhalt mag ich nicht.
    Was ist Schuld?
    Die Beantwortung dieser Frage füllt Bibliotheksreihen. Wie siehst du das?

    Leider muß ich diesen Diskurs vertagen…..ich bin dann mal weg…….

    Sich nicht zu bekennen zu seiner Liebe…..
    Eine große Gefahr……, für was…..für wen…..

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  5. Natürlich schwingt hier allerlei Persönliches mit. Gerade da, wo sich der Text dem Verständnis widersetzt. Aber, um Verwechslungen zu vermeiden, belasse ich es mal bei Hinweisen zum unmittelbaren Kontext. Es gibt hier eine Ebene des
    Unheimlichen, die alle Heimlichkeit konterkariert. Der Erleinhain birgt den Erlkönig. Dieser Kerl freut sich am Unglück wie ein Schneekönig am wilden Treiben. Und das Kind zweier Männer, ich lyrisches Ich, ist zugleich er. Das ganze wird zu einer Unschärferelation aus Nacht und Wind. Der Beobachter findet sich und verliert sich in seinem eigenen Zaumzeug… Du siehst vielleicht, das Unabgeschossene des Textes lässt auch mich nicht ruhen… Seine, des lyrischen Ichs Schuld vielleicht, sich nicht zu bekennen zu seiner Liebe…

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  6. hannascotti sagte:

    Es läßt nicht los, dieses Gedicht. Es aus der Sicht der mütterlichen Fürsorge zu sehen, ist eine Sache, die Zärtlichkeiten zu spüren eine andere. Heute morgen erscheint eine weitere, vielleicht eine gefährliche Ebene : wo sich Verletztheiten zeigen, muß es etwas geben, das verletzt hat. Wer ist der kalte König? Das lyrische „Ich“ hat etwas gut zu machen?
    Dieses lyrische „Ich“ verletzt wenn es liebt?
    Das Gedicht öffnet immer neue Ebenen, gibt selbst aber keine Antworten, besänftigt nicht. Es beschäftigt mich, es läßt nicht los…..es quält…..nimmt den Atem…..es bedarf meiner ganzen Willenskraft, mich davon zu befreien.
    Alles Interpretationen, ich weiß. Als Leserin fühle ich mich dazu eingeladen, verwechsele aber nicht Verfasser mit dem Text.

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  7. In deinem Fall, liebe Hanna, ist es sehr angenehm, erleben zu dürfen, was eine Leserin daraus macht. Für mich aber sind allein deshalb immer wieder neue Ansätze nötig, weil ich diesen Stoff selbst besser verstehen will und gleichzeitig sehr wenig Distanz habe, selbst, wenn das nördliche Licht im Atelier das verlässlichste, vielleicht inspirierendste ist.

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    • hannascotti sagte:

      Nah fühle ich mich dir in der Akzeptanz der Distanzlosigkeit in der Arbeit als Lyriker. Werden doch meines Erachtens in ihr die besten Texte geboren. Immer und immer wieder, bis der „Stoff“ einer Metaebene Raum gibt. Arbeiten nicht alle Menschen so, wenn sie sich selbst ernst nehmen, gleich ob indischer Bettler oder deutsche Köchin?
      Mir scheint, dieser Prozess ist ein heilsames Element beim Schreiben, dient jedoch nur dem Autor, nicht dem Leser.

      Deine Antworten hier erscheinen mir manchmal so, als seiest du auf der Suche nach einer tragfähigen Brücke zwischen dir und deinen Lesern. Bei mir kämpfst du da, sollte mein Eindruck richtig sein mit Windmühlen.
      Deine Texte haben mich schon eingefangen, wohl gemerkt, nicht du, dich kenne ich nicht.
      Ist dieses „Gespräch“ zwischen zwei Autoren zu persönlich?
      Dann lasse ich das.
      Nur, dieses Ringen nimmt unsere Gedichte aus dem oft hermetischen Raum in dem sie entstehen. Sie machen sich auf diese Weise bereit, gelesen werden zu wollen.
      Machen wir zwei weiter?

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  8. hannascotti sagte:

    Erlaubst du diese Antwort?

    Bei nördlichem Licht
    besehen ist es
    Liebe überm
    Deich rötet sich
    Sehnsucht
    kalt geworden
    ist sie nicht
    die Liebe
    im Lied
    in ihm
    zu ihm

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      • hannascotti sagte:

        Findet man in Männerfreundschaften keine Liebe? Ich glaube, ich habe dein Gedicht so verstanden: Männer unter sich haben, so vermute und spüre ich, eine ganz besondere Art, mit Liebe umzugehen. Ruderst du da ein wenig zurück? Ist eine tiefe Freundschaft nicht auch Liebe?
        Warum neu ansetzen? Damit dein Leser „besser“ versteht, was du meinst?
        Das wäre meines Erachtens ein Manipulationsversuch an der Leserschaft.
        Und….. wenn es eine Künstlerfreundschaft ist, lebt sie von der Freiheit des Andersdenkens – und fühlens.
        Vielleicht solltest du dein Gedicht einfach ein Gedicht sein lassen.
        Es ist wunderschön, es erreicht mich, es sagt etwas Geheimnisvolles über Männer, das sich mir als Frau entzieht, aber es nicht weniger atraktiv macht. Ja, und ob du es willst oder nicht, es hat etwas verhalten lustvolles, etwas für mich Fremdes, das ich behutsam betrachte und für einen Moment genieße.

        Der Dichter IST NICHT sein Werk, er dient ihm bestenfalls und läßt es los. Und….. manchmal ist es eine Qual erleben zu müssen, was die Leser oder Zuhörerinnen daraus machen. Aber… wer hat dir einen Rosengarten versprochen?
        Dieses Gedicht ist ein Gedicht..
        Ich freue mich auf das nächste..

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