Prasonisi

Steine schneiden keine Fratzen.
Ihre Gesichter lese ich in sie hinein:

Schründe werden Runzeln,
Zornesfalten, Echsenaugen, Altersflecken.

Büschelweise springt Verdorrtes
flugs dem Felsen über Nasenbein und Atemloch.

Gefletschter Ingrimm brütet,
seit Äonen in den Hang gemeißelt.

Böse Splitter schelfern
unter Schritten abwärts,

dorthin, wo die Kiesel kollern,
Sehnsüchte versanden und

unsere lustigen Lüste
mit Fremden an Bord gehen.

Ich indes verharre hier
vertraut mit dir unter dem Überhang,

höre nur die hämmernde Stille der Steinzeit,
selbst dann, wenn unsere vereinten Leiber,

Geliebte, längst fort sind.
Höre und höre.

Advertisements
2 Kommentare
  1. Schön, dass dir die Zeilen gefallen. Sie basieren auf der Erfahrung, in einer Höhle hoch über dem Libyschen Meer zu wohnen und – ganz komfortabel – auf Zeitreise zu gehen. Gewaltige Umbrüche haben, so scheint es, dir zuliebe kurz angehalten, um dir einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Aber wenn du deine Aufmerksamkeit einen Augenblick zerstreust, verändert sich plötzlich die Perspektive und die Kruste zeigt ihre Zerknirschung, ganz ähnlich wie ein altes Gesicht.

    Gefällt mir

  2. wow … ich lese und tauche ein, in die vermeintlichen gesichter …
    und verharre ehrfürchtig am rande der steinzeit.
    starke zeilen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: