Helme für Tauben

Das Gewicht der Nacht
von den Zehennägeln her
anheben
und sich hoch rollen
über die Stadt.

Eine einzige Bewegung.
Mich ankleiden
brauche ich heute nicht.
Der Mantel sitzt schon
unter der Haut.

In seinen Taschen klimpern
Violinschlüssel
und meine Tagesdecke im Fenster
weht.
Dahinter die See.

Sie blinzelt.
In der Laibung klemmt
ein Fliegengitter und
zirpt
mild im Wind.

Eine Handvoll Helme
will ich heute
mitnehmen,
für die Tauben
da oben da sein, ganz da.

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11 Kommentare
  1. hannascotti sagte:

    Hat dies auf Sissipha rebloggt und kommentierte:
    Eins der schönsten Gedichte, die ich gelesen habe..

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  2. Weil sie abhängig sind. Die anderen, Ringeltauben z.B., folgen eigenen Eingebungen, brechen auf, trotz allem Determinismus, auf ins Unabsehbare. Helme können da nicht schaden.

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    • Wie schön nach Monaten in der Bloggersphere noch einen derart kunstkundigen Kommentar zu erhalten. Ja, das Zeitlos paart sich halt mit der Langmut.

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      • Ach, die Zeit. Linearität wird doch sehr überschätzt. Sagen auch die (Brief-)Tauben; die ziehen Kreise.

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  3. hallo björg, deine beiden letzten einträge finde ich beide bemerkenswert … sie tragen so viel in sich,an berührung, an wehmut, aber auch an aufbruch. starke bilder, zum beispiel, dass „der mantel schon unter der haut sitzt“ – chapeau!
    sehr gerne gelesen, eingetaucht, sinniert …

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    • Liebe Diana, ich freue mich sehr, dass dir die Texte gefallen. Nur frage ich mich nun, was der Mantel unter der Haut will. Entkleidet werden?
      Herzliche Grüße
      Björg

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      • hannascotti sagte:

        Für mich will er entkleidet werden unter der Haut, die Laibung blinzelt ihn an…
        Warum hat er den Mantel nicht abgelegt…in der Nacht?
        Ist er gefangen unter dem Gewicht der Nacht?
        Erdrückt unter den „Sicherheiten“ des Fliegengitters?

        Eine Liebeserklärung an die Freiheit….
        Für mich eins deiner schönsten Gedichte.
        Ich mußte es rebloggen

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        • Danke, das freut mich sehr. Ja, es ist schön, die „Helme“ mal wieder zu lesen. Da gibt es wirklich nichts mehr hinzuzufügen. Und dein Kommentar geht unter die Haut.

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