Offenes Buch

Du bietest dich dem Wind dar, ohne Scheu,
bereit zu fliegen und zu stürzen.
Und Rasmus kommt, als suchte er in dir
Aufklärung über ein Geheimnis,
vielleicht die Scham in der Bindung,
eine Erklärung für das Wort Grammelknödel,
oder eine Beschreibung für Großvaters
Gesichtsausdruck beim Starten der Maschine.

Rasmus blättert, als seiest du
Herbstlaub, rastlos in dir hin und her.
Ich unterbreche ihn, lege meine Hand
auf die Geschichte mit der Uniformmütze,
einzige Grabbeigabe für einen traurigen Helden.
Das ist eigentlich meines Bruders Bild, sage ich,
streichle dabei dein mürbes Papier
und dringe schonend weiter ein.

Unten in der Frühe, der Kartoffelsack,
er gehört mir offenbar selbst.
Milchig violette Triebe quellen hervor.
Noch gut, ruft der Vater nebenan im Kohlenkeller,
du musst nur die Augen ausstechen.
Was folgt, ist dem Wunsch, zu verstehen,
monologisch untergejubelt. Blitze
schleudern mit kindskopfgroßen Flintsteinknollen.
Lebensrettungsversuche mit Zitronen und Lust auf Feuer.

Aber wie komme ich mit dir ins Gespräch,
du offene, seitwärts driftende Geistesfrucht,
wenn ich nur meines in dir lese?
Teilen wir das Wissen, alles sei in Liebe erlaubt,
die Aufgabe, die schönste Stelle zu finden für einen Kuss,
die Betonung der Zwei und die Synkope am Abgrund,
nackte Eschenzweige mit Purpurknospen,
langen Pfeffer und ein warmes Lüftchen auf der Haut?
Auf Facebook?

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