Hypericum perforatum

Bei einem Nothalt auf der Strecke sehe ich
schäbige Baracken, grau am toten Gleis.
Heiter einzig das Johanniskraut.

Durch den Schotter humpelt eine alte Frau.
In ihrer Linken schwenkt sie frisch gepflücktes Gelb
und Grün und winkt bei jedem Schritt,
so scheint es, einem längst verstorbenen Passagier
dort unten, mit dem Sträußchen über Kopf
ihre stillen Grüße zu.

 „Hast du etwa einen Stein im Schuh?“,
will ich fragen. „Nein? Doch was quält dich dann?“

Als mein Zug sich sachte in Bewegung setzt,
löst sie ihr Haar und schwenkt den Schopf,
denn, was nie geschah, bleibt ewig jetzt,
bleibt ewig jetzt.

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