Schatten wandern

Ich fühlte mich heute so einsam wie selten
Ich sah kein Glück, nicht hier – nicht dort
Ersann mir darum bessere Welten
Mit Anna und Joseph am lieblichen Ort

Was sie auch tun, stets bin ich dabei
Wenn ihre Gefühle zueinander sie führen
Dann scheint es ganz einfach: ein Leben für Zwei
Und ich, ihr Erfinder, ich will es jetzt spüren

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

Aus der Hüfte schießt sie Blicke
Und kehrt den Rücken dem schwer Getroffenen
Dass er ihr folge und sie beglücke
In ihren Armen, den weit offenen

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

Anna macht nicht viele Worte
Gibt einen Wink nur dem arg Bemühten
Dass er sie führe zum lieblichen Orte
An ihrer Hand, der zart erglühten

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

An die Brust zieht sie den Mann, oh
Hebt sich entgegen dem ganz Verzückten
Dass er sie nehme, so stark er kann, oh
Zu seinem Weibe, dem gut bestückten

Heut zaust der Wind die Esche sehr
Die Wellen rollen, es steigt das Meer
Wolken ziehen, Schatten wandern
Doch sie liebt ihn, sonst keinen andern

Sie sind ein Paar, nun kommen Tage
Da wecken nachts Kinder die arg Geschafften
Dass man sie tröste und stundenlang trage
Nur ohne mich – schade Herrschaften

Heut zaust der Wind die Esche kaum
Nun schweigt das Meer, es trocknet der Schaum
Wolken ziehen, Schatten wandern
Und sie liebt bald schon einen andern

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5 Kommentare
    • Ich bitte um Verzeihung für meine Forschheit. Bin heute wohl krawallig unterwegs. Allerdings erscheinen mir Ihre Worte tatsächlich vertraut. Herzlichst, Käthe Knobloch. Bitte mit O.

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      • Gern!
        Ich fechte übrigens gern auch mal einen Strauß aus, z.B. wenn es um so weltbewegende Dinge wie Poetik geht.
        Vielleicht können wir der Vertrautheit auch ein bisschen auf den Grund gehen?
        Ebenfalls herzlichst
        Björg

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        • Wahrscheinlich ist es eine Gutwortvertrautheit, die Fremde bindet. Geschriebenes Wort ist doch variierend interpretierbar. Und wenn einen dann das Interpretiertier beißt, wird der Ton schnell krawallig.

          Davon abgesehen, hat mein frühmorgendliches Drüberflugsen eine Erkenntnis hinterlassen: Sie schreiben bonfortionös. Herzlichst, Verfolgung aufnehmend Käthe.

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          • Danke,
            das freut mich. An Schattenwandern habe ich tatsächlich lange gefeilt, um etwas Singbares zu produzieren.
            Ich freue mich auf jeden Fall, wenn Sie dran bleiben.
            Liebe Grüße Björg

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